#Openreli 3.Woche: Hausaufgaben

Jetzt hatte ich mal Zeit, mich durch die Vorträge und Blogposts der letzten Woche zu arbeiten, das erschlägt einen ja ganz schön. Auf der anderen Seite war ich überrascht, viele meinerKriterien“ für guten Unterricht“ in den Beiträgen wiederzuerkennen, mit schöneren, professionelleren, pädagogischen Namen.  😉 Andererseits fühle ich mich auch „sooo klein mit Hut“  angesichts der Anforderungen, z.B. der Drübecker Kriterien. Ich weiß, es gibt wahrscheinlich kaum eine Unterrichtsstunde, in der alle diese Kriterien erfüllt werden. Wenn man den Vorträgen und Prezis lauscht, hat man aber den Eindruck, das sei alles ganz einfach und selbstverständlich. Was soll man kritisch dazu sagen? Ist ja alles ganz toll und wünschenswert. Aber  WIE  MACHE  ICH  DAS??? Und wo sind die ganz praktischen, leistungs- und/oder anforderungsdifferenzierten Arbeitsmaterialien, die ich dann auch zeitgleich im Unterricht einsetzen kann? Vorschläge bei rpi virtuell z.B. gehen irgendwie meistens von lernhomogenen Gruppen aus. DA muss ich mir dann was zusammensuchen aus den Bereichen Primar/SekI/SekII – ja, die können  ALLE in meiner Unterrichtssituation vorkommen(Berufskolleg). Ich fühle mich gerade ein wenig überfordert…

Ganz interessant fand ich die Videos  (ich habe mir nur die zum 10.Klasse-Unterricht angesehen),  weil die meiner Unterrichtssituation eher entsprechen. Ganz praktisch nehme ich da folgendes mit:

  • ·         SuS nehmen einander „dran“, nicht nur die Lehrerin
  • ·         Klare Darstellung des Ablaufs der Stunde, Übersicht für die SuS an der Tafel
  • ·         Aufgabenstellung, die alle SuS ans Arbeiten kriegt
  • ·         Klare Trennung der Arbeitsphasen (Atemübung!)
  • ·         SuS geben einander Feedback
  • ·         Lehrkraft wartet bei Fragen an die Klasse, bis sich mehrere SUS melden, bevor sie eine/n drannimmt

Zu den Fragen in den Beiträgen von A.Ziemer:

Ich erinnere mich…

…an eine Stunde innerhalb der Einheit „Religion im Alltag“. Es ging um die Frage, wo Religionsausübung zum Konfliktfall wird. Ich hatte 3 Beispiele, die in Gruppenarbeit bearbeitet werden sollten und mit Hilfe eines Rollenspiels der Klasse nahegebracht werden sollten. Die Klasse bestand aus Schülerinnen einer Berufsschulklasse (Technische Assistentinnen Gestaltung), eine relativ motivierte und aufgeschlossene Klasse. Besonders eindrücklich war der Beitrag der Gruppe, die sich mit dem Thema „Dürfen muslimische Schüler an einer Schule öffentlich beten?“ (war damals ein aktueller Fall). Die ganze Klasse war wie gebannt, als eine muslimische Schülerin innerhalb des Rollenspiels vorführte, wie eine Muslima betet: Sie ging zum Waschbecken, wusch sich Arme und Hände, etc., warf dann ihre Jacke auf den Boden und vollzog ein rituelles Gebet. Die Klasse war zuerst verunsichert, dann aber sehr ernsthaft dabei und stellt interessierte Fragen, die die Schülerin beantwortete.

Ich als christliche Religionslehrerin hätte niemals eine so authentische und methodisch eindrückliche „Information“ liefern können. Es war ein ganzheitliches Erleben, sinnstiftende Kommunikation. Das ist übrigens für mich mit ein Grund dafür, dass ich für einen multireligiösen Unterricht bin, anstatt die SuS in katholisch, evangelisch, muslimisch, atheistisch/ethisch usw. zu unterteilen. Es geht ja um Kommunikation miteinander, nicht nur Information über dies oder jenes. Trennung, Segregation gibt es schon genug.

Für diese Art des Unterrichts müssen Lehrkräfte natürlich entsprechend ausgebildet werden. Geschieht das schon irgendwo? Will man das bei „Kirchens“?

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4 Kommentare zu “#Openreli 3.Woche: Hausaufgaben

  1. Liebe Uta,
    bin total begeistert von deinen Überlegungen, bekomme ein Bild vom Unterricht den du stemmen musst und freue mich, dass meine Beiträge irgendwie anklingen.
    Deshalb will ich einen Vorschlag machen:
    Unter diesem Link

    habe ich eine Imagekampagne des Bäckerhandwerks gefunden. Vielleicht könnte dieser Film eine berufsorientierte Anforderungssituation darstellen, mit deren Hilfe man über Sinn, Glück und Erfüllung im Beruf nachdenken kann, also über immanente Transzendenzerfahrungen mit Berufbezug.

    Was hältst Du davon?
    Und: Mit welchen Aufgabenstellungen könnte man den Film aufschließen?

    LG, Andreas

    • Hi Uta,

      ich finde diese vielen Kriterien für guten Unterricht auch nervig. Man denkt ja kaum noch an die Schüler, wenn man beim Unterrichten immerzu diese Kriterien im Kopf hat …
      Darum habe ich entschieden, mir erst mal Gedanken zu machen, was in meinem Unterricht klappt und was nicht, und hinterher zu schauen, welche Kriterien noch „beißen“. Auf die, so mein Vorsatz, will ich im Unterricht möglichst nacheinander ein Augenmerk richten, nicht auf alle gleichzeitig.

      Das mit den anforderungsdifferenzierten Materialien ist auch mein Problem. Dazu habe ich einen Blog-Artikel geschrieben.

      Zur Sache mit dem konfessionellen Reliunterricht habe ich eine ziemlich weichgespülte Meinung, da ich einen Teil meiner ev. Relistunden gemeinsam mit der katholischen Kollegin halte. Das klappt ganz ausgezeichnet (= nicht überkonfessioneller, sondern konfessionell-kooperativer RU). Andererseits ist mir schon klar, warum der RU konfessionel geprägt sein sollte: Dies gewährleistet zunächst mal, dass bekennende VertreterInnen der jeweilgen Konfessionen dort mitmachen. So etwas wäre völlig ausgeschlossen bei einem überkonfessionellen RU. Du hast mit der betenden Muslima eine schöne Erfahrung gemacht, aber die hätte auch anders ausgehen können, wenn da zB richtig knallharte Religionsverächter dabei gewesen wären. Und sowas lässt sich in einem allgemeinen, überkonfessionellen RU nie mit Gewissheit ausschließen. Darum neigt Vater Staat dazu, sich im überkonfessionellen Szenario auf einen rein religionskundlichen Modus zurückzuziehen, von dem die SchülerInnen eher wenig mitnehmen.

      LG Christian

  2. Pingback: Rückblick auf Woche 3 | openreli

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